
Die Reise zur 34. Ostdeutschen Meisterschaft im Kunstrad- und Einradfahren begann am Freitagnachmittag, dem 5. Juni 2026, pünktlich um 15 Uhr an der Turnhalle. Schon dort zeigte sich, dass dieser Ausflug mehr war als nur ein Wettkampfwochenende: sorgfältige Vorbereitung, routinierte Handgriffe und eine Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung lagen in der Luft. Die Fahrräder wurden reisefertig gemacht – Pedale abgeschraubt, um sie platzsparend im Kofferraum zu verstauen. Parallel dazu verwandelten sich die Autos in kleine rollende Versorgungsstationen: Getränke, Snacks und – für alle Fälle – auch die obligatorischen „Kotztüten" waren griffbereit. Ein kleines bisschen fühlte sich alles nach Familienurlaub an.
Kaum unterwegs, ließ die erste typische Frage nicht lange auf sich warten: „Wann sind wir da?" – ein Klassiker, der die Vorfreude ebenso widerspiegelt wie die Ungeduld. Bei bestem Wetter zog die Landschaft vorbei, während sich die Gespräche zwischen Wettkampfstrategien, Alltäglichem und gelegentlichem Schweigen abwechselten. Ein kurzer Zwischenstopp ockerte die Fahrt auf, bevor es weiter Richtung Schwerin ging.
Die Ankunft in der Jugendherberge war beinahe schon idyllisch: gelegen zwischen dem Faulen See und dem Schweriner See bot die AWO Sano Jugendherberge eine ruhige, grüne Umgebung. Nach dem Bezug der Zimmer – funktional, sauber und völlig ausreichend – ging es gemeinsam in eine nahegelegene Pizzeria. Pizza, Pasta und Carpaccio sorgten für die nötige Stärkung und rundeten den Anreisetag kulinarisch ab.

Der Abend verlief unterschiedlich: Während einige den Rückweg bequem mit dem Bus antraten, nutzten andere die Gelegenheit zu einem Spaziergang durch Schwerin. Die Stadt zeigte sich ruhig und charmant, ein gelungener Kontrast zur bevorstehenden Wettkampfatmosphäre. Die Nacht in der Jugendherberge hatte für viele etwas Nostalgisches – Erinnerungen an Klassenfahrten wurden wach. Entsprechend ruhig verlief die Nacht, bevor am nächsten Morgen zwischen 6:00 und 6:20 Uhr die Wecker klingelten.
Um 7:00 Uhr wartete ein klassisches Jugendherbergsfrühstück: Kaffee, Tee, Kakao sowie ein Buffet mit Marmelade, Honig, Nuss-Nougat-Creme, Aufschnitt und Käse. Die freundlichen Mitarbeiter der Herberge sorgten dabei für einen angenehmen Start in den Tag. Um 7:45 Uhr ging es schließlich zur Wettkampfhalle – rechtzeitig, um sich einzufahren und mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Der Wettkampf selbst begann 10:15 Uhr in der Erich-Kästner-Sporthalle im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz.

Das Einfahren war in sorgfältig eingeteilten Zeitslots möglich, was allen Teams eine ruhige und strukturierte Vorbereitung ermöglichte. Keine Hektik, keine überfüllte Halle – jeder konnte sich in Ruhe auf seine Übungen einstellen. Schon vor Wettkampfbeginn zeigte sich die professionelle Organisation: Der ausrichtende Verein, der Schweriner Radsportverein von 1899 e. V., hatte fleißige Helfer am Start, die uns mit frischen Sandwiches und Getränken versorgten – eine kleine, aber wichtige Stärkung vor dem Eigentlichen.
Die Meisterschaft selbst bot eine beeindruckende Atmosphäre. Sportlerinnen und Sportler aus Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren angereist. Insgesamt traten rund 150 Athletinnen und Athleten in 11 Disziplinen an – ein klarer Saisonhöhepunkt im Hallenradsport.
Der feierliche Einmarsch, nach Bundesländern sortiert, verlieh dem Event einen beinahe internationalen Charakter. Auch Thüringen war stark vertreten – neben Gebesee traten unter anderem Teams aus Rositz und Gotha an. Die Eröffnung wurde durch eine Tanzperformance begleitet, und mit Gästen wie Andreas Bluhm, dem Vorsitzenden des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern, erhielt die Veranstaltung zusätzliche Bedeutung.
Ein weiterer Pluspunkt der modernen Organisation: Der Punktabzug war für alle auf großen Bildschirmen digital in Echtzeit nachvollziehbar – transparent, fair und ohne Diskussionen. Dazu wurde der Wettkampf live ins Internet gestreamt.
Sportlich lief es für den Vierer ausgesprochen gut. Die Kür wurde weitgehend sauber gefahren, ohne große Wackler und nur einem größeren Fehler. Zwischenzeitlich bedeutete die gezeigte Leistung sogar Platz eins – bei noch drei ausstehenden Teams. Die Spannung war entsprechend groß, denn nun hing alles von den nachfolgenden Startern ab. Tatsächlich unterliefen dem Team des RV Germania Oberschindmaas aus der Nähe von Zwickau Fehler, sodass der Weg zu einem Podestplatz frei wurde. Die Freude war entsprechend groß: strahlende Gesichter, Erleichterung und die Gewissheit, dass sich das Training ausgezahlt hatte. Für den neu formierten Vierer war dieses Ergebnis ein bedeutender Erfolg.
Gleichzeitig wurde deutlich, welches Niveau in der Spitze möglich ist. Teams aus Zwickau und Wiednitz (Oberlausitz) zeigten Übungen von beeindruckender Präzision und Schwierigkeit. Um dieses Niveau zu erreichen, wird es noch vieler intensiver Trainingseinheiten bedürfen. Auffällig war insgesamt die enorme Bandbreite an Übungen – jedes Team setzte eigene Schwerpunkte und stellte sich individuellen Herausforderungen.

Für Anni als einzige Solostarterin gestaltete sich der Wettkampf besonders anspruchsvoll. Ohne Teamunterstützung war sie ganz auf sich allein gestellt und trat in einem eng beieinanderliegenden Feld an. Mit drei Konkurrentinnen lag sie nahezu punktgleich, während die Favoritinnen aus Nerchau (Sachsen), Märkisch Buchholz (Brandenburg) und Annaburg (Sachsen-Anhalt) mit deutlich höhreren Schwierigkeiten aufwarteten. Ihre Darbietung war sauber und konzentriert gefahren – eine starke Leistung, bei der letztlich Kleinigkeiten über die Platzierung entschieden. Auch wenn es am Ende der letzte Platz wurde, überwog die Erkenntnis, nahezu fehlerfrei gefahren zu sein. Diese Sicherheit bildet eine wichtige Grundlage, um künftig schwierigere Elemente anzugehen und den Abstand zur Spitze zu verringern. Die Enttäuschung war zunächst spürbar – gerade, weil die Teamkameradinnen mit Pokalen ausgezeichnet wurden –, doch die eigene Bestleistung blieb ein wertvoller Erfolg.
Die Verpflegung während des Wettkampftages war durch ein professionelles Event-Catering organisiert – Bratwurst, Pommes, Salate und diverse Getränke sorgten für die nötige Stärkung zwischen den Durchgängen.
Ein besonderes Highlight folgte bei der Siegerehrung: Nachdem Urkunden und Pokale überreicht worden waren, wurden einige der erfolgreichen Sportler von Teammitgliedern oder Betreuern auf die Schultern genommen. Zu den Klängen von „Stand up for the Champions" zog eine ausgelassene, tanzende Gruppe durch die Halle – ein Moment voller Freude, der für viele Lacher sorgte und dem Event einen unvergesslichen Abschluss verlieh.
Ein besonderer Dank gilt dem ausrichtenden Verein, dem Schweriner Radsportverein von 1899 e. V. Wir wissen, wie aufwändig die Organisation eines so großen Wettkampfs ist – von der Hallenbuchung über die Zeiteinteilung, die Juroren, die technische Ausstattung mit den Bildschirmen, das Catering, die Helfer bis hin zur Sicherheit. Hier wurde meisterhaft organisiert, und allen Beteiligten gebührt großer Respekt für diese Leistung. Ohne solche Vereine gäbe es diese Meisterschaften nicht – danke für die tolle Aufnahme, die professionelle Organisation und die außergewöhnliche Atmosphäre.
Nach einer letzten Stärkung, dem Zusammenpacken der Ausrüstung und vielen Gesprächen über das Erlebte ging es schließlich zurück nach Hause – im Gepäck nicht nur Urkunden und Pokale, sondern vor allem Eindrücke, Erfahrungen und neue Motivation für die kommenden Trainingseinheiten.
Die Ostdeutsche Meisterschaft ist seit 1990 etabliert – entstanden nach dem Anschluss des Deutschen Radsportverbandes der DDR an den Bund Deutscher Radfahrer. Landesmeisterinnen und Landesmeister der jeweiligen Disziplinen qualifizieren sich für diesen Wettbewerb, und der Eintritt für Zuschauer ist frei. Davon profitiert auch die Hallenatmosphäre: viel Publikum, gute Stimmung und echte Titelatmosphäre.